Troika dämpft Streitlust

Veröffentlicht am 12.08.2011 in Bundespolitik

NW vom 12.08.2011
VON UNSERER KORRESPONDENTIN ALEXANDRA JACOBSON

Berlin.
Auf einmal steigen die Umfragewerte für die Sozialdemokraten. Bei Forsa zum Beispiel haben die Genossen in dieser Woche ihr Jahreshoch von 27 Prozent erreicht. Die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte sogar 29 Prozent.

Dass sich die SPD berappelt, erklärt Forsa-Chef Manfred Güllner mit einem gemeinsamen Auftritt der drei SPD-Politiker Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück. Güllner: „Zusammen haben sie eine gewisse Schlagkraft. Viele erinnert das an die gute alte Zeit mit Brandt, Schmidt und Wehner.“ Nur mit einer sogenannten Troika an der Spitze kann die SPD den Sprung aus der Opposition an die Regierung schaffen, glaubt auch der Politikwissenschaftler Martin Rupps, Autor des Buches „Troika wider Willen“.

Dass die Partei von einem Kollektiv geführt wird, wäre für die Union Anlass zum Gruseln. CDU und CSU setzen auf die eine Führungsfigur, die im Idealfall sowohl das Kanzleramt als auch den Parteivorsitz in einer Hand vereint. Dass sich die SPD nach einer Troika sehnt, begründet Rupps damit, dass der SPD die innerparteiliche Streitlust und die Flügelkämpfe im Blut lägen. Deshalb kämen die Genossen besser klar, wenn sie mehrere Identifikationsfiguren an der Spitze hätten.

Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob sich die drei mögen oder nicht. Herbert Wehner, Willy Brandt und Helmut Schmidt waren keineswegs dicke Freunde. Aber dank eiserner Disziplin lenkten sie die Geschicke der Sozialdemokratie von 1966 bis zum Regierungsstart von Helmut Kohl im Jahr 1982. Zwei aus der Troika, Willy Brandt und Helmut Schmidt, schafften es gar ins Kanzleramt.

1994 war es wieder ein Trio, das gegen den CDU-Kanzler Kohl in Stellung ging: Oskar Lafontaine, Rudolf Scharping und Gerhard Schröder. Allerdings schickten sie mit Rudolf Scharping den Falschen vor. Die Macht übernahmen die Genossen erst vier Jahre später mit Gerhard Schröder. Bei den historischen Dreigestirnen der SPD gab es mit Willy Brandt und Oskar Lafontaine auch immer Politiker, die vor allem die Linken und die Emotionen ansprechen konnten. Das ist bei der aktuellen Troika nicht der Fall. Inhaltlich liegen der Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel nicht so weit auseinander. Für den Meinungsforscher Manfred Güllner muss das kein Nachteil sein. Schließlich hätte die SPD von 1998 bis 2008 rund zehn Millionen Sympathisanten verloren – die meisten davon wanderten in die politische Mitte ab. Die Anhänger links außen hätten die Linkspartei für sich entdeckt. Güllner sieht in der neuen Troika eher eine Aufteilung in unterschiedliche Typen. Gabriel gebe den präsidialen Moderator, Peer Steinbrück den polarisierenden Experten und Frank-Walter Steinmeier den Sympathieträger. Die drei zusammen vermittelten auch bei einem angstbesetzten Thema wie der Eurokrise Kompetenz und Führungsstärke. Das lasse sonstige Personaldefizite der SPD in den Hintergrund rücken. Ginge es nach Güllner, sollten die drei öfter gemeinsam auftreten. Egal, wer 2013 gegen Merkel antritt.

Innerhalb von nur zwei Monaten haben die Sozialdemokraten in der Gunst des Publikums vier Prozent dazugewonnen. Die Tage des ewigen Umfragetiefs scheinen gezählt zu sein. Nach Ansicht von Parteienforschern liegt das auch an der neuen Troika – dem Dreigespann – an der Spitze der SPD.

 
 

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